Kirchenfinanzierung

Die Laieninitiative setzt sich für eine nachhaltige Sicherung der Kirchenfinanzierung ein. Die derzeitige Finanzierung erfolgt durch ein Gesetz, das aus der nationalsozialistischen Ära stammt. Dieses österreichische Kirchensteuergesetz hatte nicht das Wohl der Kath. Kirche, sondern "einen vernichtenden Schlag" im Auge, es zwingt die Kirche zur Eintreibung ihrer Finanzierung über eigene Inkassobüros (Kirchenbeitragsstellen), wobei alle, die sich als Katholiken bekennen, durch dieses staatliche Gesetz zur Zahlung verpflichtet wurden. Es handelt sich dabei also nicht wirklich um eine Trennung von Kirche und Staat, wie oft behauptet wird.

Seit dem 2. Weltkrieg schrumpft die von der Statistik ausgewiesene Zahl der Katholiken in Österreich kontinuierlich (89% im Jahr 1950 auf 56% im Jahr 2019) und sollte die Kirchenleitungen mehrerer direkt betroffener Kirchen eigentlich alarmieren und zum Handeln motivieren. Das Ärgernis des österreichischen Kirchensteuergesetzes veranlasst insbesondere Jugendliche zur Abmeldung von der Kath. Kirche ("Kirchenaustritt"). Dass dies nicht so sein muss, zeigt die Entwicklung z. B. in Südtirol, wo der statistische Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung (96%) seit dem 2. Weltkrieg praktisch konstant geblieben ist. Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Anteil der Gläubigen, sondern daran, dass in Südtirol seit 1984 das italienische Modell der Steuerwidmung gilt. Nach diesem erfolgt die Kirchenfinanzierung durch Widmung eines kleinen Teiles (0,8%) der Lohn- bzw. Einkommenssteuer. Die Steuerzahler/innen können dabei auswählen, ob sie diesen Teil der Steuer der Kath. Kirche, einer anderen Kirche oder dem Staat zukommen lassen. Wer keine Steuer bezahlt, darf auch widmen.*)

Neben den grundsätzlichen Vorteilen können durch diese Form der Finanzierung auch Verwaltungskosten eingespart werden, durch die beim österreichischen Gesetz alleine durch die Eintreibung über die kircheneigenen, personalintensiven Inkassobüros 10 - 15% (ca. 60 Mill. €) verpuffen.

Die Laieninitiative hat mit a.o.Univ.-Prof. Dr. Rudolf Höfer einen ausgewiesenen Experten für die sehr unterschiedliche Kirchenfinanzierung in Europa im Team und setzt sich für eine Steuerwidmung anstelle von eigenen kirchlichen Inkassobüros ein. Wir brauchen in Österreich eine Reform der Kirchenfinanzierung.


*) Anm.: Aus einem zweiten Topf mit 0,5% kann für Kultur (z.B. Mailänder Skala), Soziales und Umwelt unabhängig vom ersten Topf gewidmet werden. Das wird häufig durcheinander gebracht.

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