Arbeitsschwerpunkt

Sich um die Probleme an der Basis kümmern

Seit ihrem Bestehen hat die Laieninitiative programmatische Forderungen an die Amtskirche (auf verschiedenen Ebenen) gerichtet und versucht, für  diese Anliegen öffentliche Aufmerksamkeit zu erreichen bzw. sie durchzusetzen. Diese Forderungen bestehen weiterhin und ihre Erfüllung muss auch in Zukunft ein Tätigkeitsschwer­punkt sein. Allerdings zeigt sich, dass es daneben eine Reihe von Problemen an der Basis – in den Ortskirchen und einzelnen Pfarrgemeinden – gibt, mit denen die Betroffenen sehr oft allein gelassen sind. Hier möchte die LI in Zukunft Hilfestellung - durch Beratung und  Vernetzung von Gemeinden mit gleichartigen Problemen – geben bzw. an der Problemlösung durch die inhaltliche Diskussion der Probleme mit den verantwortlichen Ebenen in der Kirche mitwirken. Als Beispiele seien zwei Bereiche aus der Erzdiözese Wien angeführt.

Problematische „Strukturreform“

In etlichen Pfarrgemeinden gibt es Probleme mit der sogenannten Strukturreform, die zuletzt durch die Einteilung aller Pfarren der Diözese in Entwicklungsräume voran­getrieben wurde. Endziel dieser Strukturveränderungen ist  laut Erklärungen der Diö­zese die Umwandlung der derzeitigen Entwicklungsräume in „Pfarren neu“ – durch Auflösung der derzeit bestehenden Pfarren. „Pfarre neu“ ist dabei eine beschöni­gende Bezeichnung von Großpfarren (XXL Pfarren). Dies mag für einige Entwick­lungsräume und Pfarren durchaus Sinn machen, für etliche andere aber keineswegs. Das „über einen Kamm Scheren“ der gesamten Diözese – bei teilweise vollkommen unterschiedlichen Verhältnissen in den Pfarren – verärgert viele. Für die auch von der Diözese angestrebten Leitungs-Teams, die die örtlichen Gemeinden ohne Pfarrer leiten sollen, fehlt nach Auflösung der Ortspfarren aber jede vernünftige Rechtsform. (Dem Begriff „Filialpfarren“ entspricht keine Rechtsform). Ein Identitätsverlust in den Pfarren, eine Mehrbelastung, der ohnehin nur mehr spärlich vorhandenen Priester und eine Demotivation engagierter Mitglieder in örtlichen Gemeinden könnten die Folgen sein. Dieser Themenbereich wird die Pfarren in der Erzdiözese Wien sicher­lich während der gesamten laufenden Pfarrgemeinderatsperiode (bis 2022) und darüber hinaus beschäftigen, weshalb sich die Laieninitiative für die Gemeinden, die sich ihre Auflösung nicht gefallen lassen wollen, einsetzen wird.

Organisatorisches Chaos

Eine weitere besorgniserregende Erscheinung in der Erzdiözese Wien ist das offen­sichtliche organisatorische Chaos in einigen Bereichen und Abteilungen der diözesa­nen Verwaltung. Dieses wurde besonders augenscheinlich bei den Rechnungs­abschlüssen der Pfarren für 2016. Diese sollten (nach den diözesanen Vorschriften) so erfolgen, dass die Pfarrgemeinderäte den Jahresabschluss für 2016 für ihre Pfarren bis spätestens 31. März 2017 beschlossen und unterfertigt an die Diözese  hätten senden sollen. In etlichen Pfarren waren aber bis Ende Mai die Daten, die die Diözese dafür liefern muss, noch gar nicht eingelangt. Aufgrund der Pfarrgemeinde­ratswahl und die Konstituierung der neuen Pfarrgemeinderäte gibt es nun aber die Gremien, die die Jahresabschlüssen hätten beschließen sollen (die alten PGR) gar nicht mehr. Ein Chaos sondergleichen! Ein vor zwei Jahren implementiertes neues Buchhaltungssystem funktioniert bis heute nicht zufriedenstellend, viele neue Pfarr­gemeinderäte haben dadurch keinen genauen Überblick über ihre Finanzen. Das Ganze wird verschärft durch die Entstehung von „Pfarren neu“ (siehe oben), wodurch die Finanzen einiger Pfarren zwischenzeitlich abschlossen werden müssen.

Dies sind nur zwei – besonders drastische – Beispiele von Problemen, mit denen sich engagierte Pfarrmitglieder als Pfarrgemeinderäte oder Vermögensverwaltungs­räte an der Basis herumschlagen müssen, anstelle sich den wichtigen pastoralen Fragen ihrer Gemeinden widmen zu können. In fast allen österreichischen Diözesen gibt es unterschiedliche Probleme dieser Art.

Deshalb will die Laieninitiative in Zukunft einen neuen Arbeitsschwerpunkt zur Unter­stützung von Pfarren, die von derartigen Problemen betroffen sind, setzen.

Der Schritt zur Selbstverantwortung

Die erschreckenden, massenhaften Missbrauchsfälle in der röm. kath. Kirche, die ihre Hauptursache in den bisher nur geringfügigen Erfolgen der jahrelangen Bemühungen um überfällige Reformen haben, legen den Laien in dieser Kirche neue Verhaltensweisen nahe.

Weiter zum Schritt zur Selbstverantwortung