Ziele, Handeln und Personen
Impuls Seelsorgenotstand
Aus der Sorge über den immer drückender werdenden Priestermangel und den dadurch entstehenden Seelsorgenotstand haben sich Angehörige der österreichischen Katholischen Kirche zu Beginn des Jahres 2009 an die Öffentlichkeit gewandt. Sie haben aufgerufen, ein Memorandum zu unterstützen, welches der Leitung der Weltkirche u. a. folgende Reformvorschläge unterbreitet: Die Abschaffung des Pflichtzölibats der Priester, die Berufung von sog. „Viri probati" mit der Ermächtigung zur Spende von Sakramenten sowie die Weihe von Frauen im ersten Schritt zu Diakoninnen.
Die Laieninitiative hat betont, dass sie ein Ignorieren dieser Vorschläge nicht hinnehmen würde. Ihr Appell fand eine über Erwarten breite und lebhafte Zustimmung, auch von nicht wenigen engagierten Geistlichen. Das Memorandum wurde im Juni desselben Jahres dem Vorsitzenden der österreichischen Bischofskonferenz überreicht, der es an Rom weiterleitete. Wie zu befürchten war, hat man dieses Dokument aber einfach ignoriert.
Für eine neue Kirchenverfassung
Damit ergab sich die Notwendigkeit, das Drängen zu verstärken. Die Frage wurde aufgeworfen, ob eine Kirchenordnung, die ein derart arrogantes Missachten von konstruktiven Bemühungen zulässt, heute noch hinnehmbar ist. Gemeinsam mit den anderen Reformorganisationen (s. unten) wurde im November 2009 eine wissenschaftliche Enquete „Kirchenreform und Menschenrechte" einberufen. Das Ergebnis war eindeutig: Die heutige Verfassung der Kirche widerspricht in wesentlichen Belangen sowohl dem Evangelium als auch den heute allgemein anerkannten Grund- und Menschenrechten.
Als Konsequenz dieses Unternehmens wurde ein „Wiener Manifest" beschlossen, das die Kirchenleitung dringend auffordert, diese argen Mängel zu beseitigen. Im Juni 2010 hat eine von der „Plattform Wir sind Kirche" vorbereitete Folgekonferenz Eckpunkte einer zeitgemäßen Kirchenverfassung erarbeitet. Doch all dies lässt die Kirchenleitung unberührt. Die Bischöfe stellen ihre Gehorsamspflicht gegenüber einem extrem traditionalistischen Papst höher als ihre Aufgabe, sich gemeinsam mit den Gläubigen in ihren Diözesen ganz für die Zukunft der Kirche einzusetzen.
Gewissen gegen „Papstdiktatur“
Ein unerträglicher Zustand ist eingetreten, der weite Teile Europas betrifft. Zunehmend wird klar, dass der Kurs des Vatikans der Kirche schweren Schaden zufügt. Der amtierende Papst, dessen Handeln immer weniger zu verstehen ist, verletzt die Pflicht des Petrusdienstes auf unverantwortliche Weise. Eine abgehobene Religionsbürokratie befasst sich mit lebensfremden Regeln, anstatt sich der Zukunft des Glaubens zuzuwenden. Währenddessen setzt sich der Verlust von Mitgliedern und geeigneten Geistlichen dramatisch fort.
In dieser Situation wächst allseits eine zornige Entschlossenheit, sich das Ignorieren von Sorge um die Kirche und von Bemühungen um überfällige Veränderungen nicht mehr gefallen zu lassen. Es darf kein Zögern mehr geben, Reformen, die von einer weltfremden Kirchenleitung ängstlich abgewehrt werden, nun auch gegen deren Willen durchzusetzen! Das geltende System erweist sich - um es ungeschminkt auszudrücken - als eine absolutistische Papstdiktatur, deren Regeln ermöglichen, jede Mitsprache und Mitwirkung abzuweisen. Ob die Hierarchie das Vertrauen der Menschen hat, kann ihr egal sein, für sie ist unerheblich, was nicht vom eigenen abgehobenen „heiligen Stand" ausgeht, welcher sich selbst ins Amt beruft. Wie ist dem beizukommen?
Offenheit und Aufrichtigkeit
Die Laieninitiative sieht angesichts dieser Situation den einzigen Ausweg in einem energischen Schritt der Selbsthilfe. Um die Kirche zu verändern, ohne sie zu verlassen oder in ihrem Wesen zu gefährden, müssen unerträgliche Befehlsstrukturen überwunden werden. Sie sind bis zu einer Erneuerung in die Bedeutungslosigkeit zu versetzten und wie eine Gefahrenquelle zu isolieren. Die Laien müssen nun nach dem Prinzip handeln: Wo ihr euch nicht um uns schert, kümmern wir uns auch nicht um euch.
An sich ist dieser Zustand schon längst eingetreten: Die Vorschriften der kirchlichen „Obrigkeit" werden vielfach missachtet, allerdings auf eine verborgene und unaufrichtige Weise. Längst ist so eine beschämende und unwürdige Spaltung entstanden. Dem in einer Scheinwelt verfangenen vatikanischen Regime freimütig und offen entgegenzutreten, erweist sich daher heute als moralische Pflicht. Mut und Aufrichtigkeit sind Tugenden, die sich der Hilfe des Heiligen Geistes sicher sein können. Die Laieninitiative ruft alle Angehörigen der Römisch-Katholischen Kirche auf, sich diesem berechtigten Widerstand aus Verantwortung anzuschließen und das öffentlich zu bekennen!
Nicht austreten, sondern auftreten
Nur durch christliche Eigenverantwortung aus dem Gewissen kann die Kirche wieder gesunden. Die Gemeinschaft des katholischen Glaubens zu verlassen, wäre hingegen der falsche Schritt. Die Kirche kann nur von innen und nur dadurch geändert werden, dass eine echte geistliche Autorität hergestellt wird, der mit gutem Gewissen gefolgt werden kann. Eine neue Spiritualität, die sich ganz am Evangelium orientiert, muss sich von „unten" nach „oben" durchsetzen.
So ist die Kirche entstanden und groß geworden und so muss sie von den schlimmen Fehlern befreit werden, an denen sie bis hin zur Existenzbedrohung leidet. Wenn sich viele Menschen diesem Ziel verpflichten, kann das nicht wirkungslos bleiben. Die Laieninitiative will sich offen zu einer zeitgemäßen Kirche bekennen. Sie stellt allen, die das tun, dafür ein sichtbares Zeichen (Abzeichen) zur Verfügung. Sie wird ferner fortlaufend Empfehlungen abgeben, wie abzulehnenden kirchlichen Vorschriften wirksam, wohlbegründet und glaubwürdig entgegengetreten werden kann.
Bischöfe müssen auf die Gläubigen hören!
Bischöfe sind keineswegs in erster Linie dazu berufen, den Gläubigen die Anordnungen des Vatikans unter Berufung auf deren „Gehorsamspflicht" weiterzugeben. Sie haben vielmehr entsprechend ihrer von Jesus betonten dienenden Funktion auf die Meinung der Kirchenmitglieder zu hören, deren Anliegen zu erforschen und ernst zu nehmen. Eine Umkehr des Handelns muss erfolgen: Nicht von Rom nach „unten", sondern vom Kirchenvolk nach „oben".
Bischöfe müssen sich aber auch dem Gebot der Demut folgend dem Urteil der Gläubigen aussetzen. Die Laieninitiative stellt den Katholikinnen und Katholiken dafür Bischofsbeurteilungsbögen zur Verfügung. Diese sollen alljährlich zu Beginn der österlichen Bußzeit der Laieninitiative zugesandt, um anonym ausgewertet und veröffentlicht zu werden.
Trägerverein "Laieninitiative"
Um die Organisierung der Laieninitiative bemühte sich zunächst ein Komitee prominenter Persönlichkeiten; am 3. April 2009 wurde der Trägerverein "Laieninitiative" gegründet. Dessen Verantwortungsträger sind derzeit:
Obmann: Dr. Herbert Kohlmaier, Wien, Jurist mit dem Spezialgebiet Sozialrecht. Langjähriger Politiker und Abgeordneter zum Nationalrat, zuletzt Volksanwalt der Republik.
Obmann-Stellvertreter: Dr. Peter Pawlowsky, Wien, Studium der Germanistik und Philosophie, Berichterstatter der Wiener Diözesansynode, langjähriger Leiter der Abteilung Religion im ORF-TV. Heute freier Publizist und Vize-Vorsitzender des Katholischen Akademikerverbandes Wien.
Kassier: Ing. Mag. Hermann Bahr, Hinterbrühl NÖ, Techniker und Betriebswirt, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Erinnerung an P. Laurentius Hora, Funktionär des Österreichischen Alpenvereins.
Kassier - Stellvertreterin: Hilde Kert, Vorarlberg und dann Wien, Religionslehrerin, Pastoralassistentin und Krankenhausseelsorgerin (dzt. Pflegeheim der Caritas Socialis Rennweg), Mitarbeiterin von "Wir sind Kirche".
Schriftführer: Mag. Eduard Posch, Pinkafeld, Mitarbeiter der Diözese Eisenstadt (Mitglied des Pastoralrates, Dekanatsratsvikar), Ratsvikar der Pfarre Pinkafeld, Studium der Betriebswirtschaft und Wirtschaftspädagogik, staatlich geprüfter Unternehmensberater und ausgebildeter Mediator.
Schriftführer-Stellvertreter: Valentin Eisendle, Wien, Student der Internationalen Entwicklung sowie der Vergleichenden Systematischen Religionswissenschaft.
Weitere Mitglieder:
Renate Bachinger, Eberschwang, Religionslehrerin, aktive Mitrbeit in den Pfarren Eberschwang und Pattigham als Wortgottesdienstleiterin, Firmhelferin, Ministrantenführerin und in diversen Fachausschüssen.
Mag. Elisabeth Kindler, Wien, Volkswirtin und Verlagskauffrau, war u. a. österreichische Bildungsbeauftragte in Rumänien und ist derzeit als Print-Producerin tätig.
Univ. Prof. Dr. Dr. hc. Heribert Franz Köck, Linz und Wien, im Herbst 2009 emeritiert als Dekan und als Institutsvorstands für Völkerrecht, Europarecht und internationale Beziehungen an der Johannes-Kepler-Universität. Langfristiger Vertreter des hl. Stuhls bei zahlreichen internationalen Institutionen und Konferenzen. Mitglied der österreichischen Kommission „Justitia et Pax“.
Mag. Johann Mahler, Hinterbrühl NÖ, Studium der Handelswissenschaften, Non-Profit-Management an der Uni Fribourg, selbständiger Kulturmanager und (stv.) Vorsitzender des Pfarrgemeinderats.
Hanna Manucredo, Nußdorf-Debant Osttirol, betreibt ein Interreligiöses und interkulturelles Zentrum (Trauer- und Lebensbegleitung, freie Seelsorge, mediale Ausbildung).
Dr. Georg Petek-Smolnig, Wien, Jurist, war mehrere Jahre Vorstandsmitglied des Katholischen Akademikerverbandes Wien, Leiter des Personalmanagements der Wirtschaftskammer Österreich.
Christiane Sauer, Linz, Psychotherapeutin, dipl. Supervisorin und Mediatorin, Trainerin, Lehrbeauftragte der ARGE Bildungsmanagement Wien. Ehe- und Familienberaterin in der Beratungsstelle der Diözese Linz.
Otto Straßl, Bürgermeister der Gemeinde Kopfing Oberösterreich.
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Der Verein arbeitet mit den bisher an die Öffentlichkeit getretenen Reformbewegungen in der römisch-katholischen Kirche zusammen. Es sind dies die "Plattform wir sind Kirche" (Vors. Ing. Hans Peter Hurka), die "Priester ohne Amt" (Herbert Bartl) und die Pfarrerinitiative (Msgr. Mag. Helmut Schüller).
Weiteres siehe unter Aktuelles.
Wenn Sie uns dabei helfen wollen, die nicht geringen Aufwendungen für unsere Arbeit zu tragen, sind wir für eine (auch kleine) Spende dankbar:
Laieninitiative, Kto. Nr. 470 382 30000
bei der Volksbank Baden, BLZ 42750
(vom Ausland IBAN AT 734275047038230000
BIC VBOEATWWBAD)