Laieninitiative

Memorandum

Dieses Memorandum gibt den Standpunkt von römisch-katholischen Christen und Christinnen wieder, die sich zu einer gemeinsamen Aktivität unter dem Namen „Laieninitiative“ zusammengeschlossen haben.

Es wurde am 4. Juni dem Herrn Vorsitzenden der österreichischen Bischofskonferenz offiziell überreicht. Kardinal Schönborn hat Verständnis für die Anliegen der Laieninitiative geäußert und festgestellt, es bestehe das Recht zu einem solchen Vorbringen und sogar die Pflicht, falls dies das Gewissen gebiete. 

Der Erzbischof hat zugesagt, das Memorandum der Laieninitiative persönlich Rom weitergeben zu wollen. Ebenso ein Konvolut von 64 Erlebnisberichten aus Pfarren, das die Laieninitiative zusammengestellt hat. (Dieses Dokument kann von Interessierten bei uns angefordert werden). Nun bleibt zunächst die Antwort des Vatikans abzuwarten.

Kardinal Schönborn hat die Laieninitiative ersucht, in ihren Aufruf auch die Ermutigung aufzunehmen, dass junge Männer, die sich zum Priesterdienst berufen fühlen, dem auch folgen sollen. Diesem Wunsch zu entsprechen, ist für jedem, dem das Wohl der Kirche am Herzen liegt, selbstverständlich - vor allem angesichts des Seelsorgenotstands, welcher Grund unserer konkreten Reformbemühungen ist.

Es folgt der Wortlaut des Memorandums, das am 20. Jänner der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und unerwartet breite Unterstützung fand:

Dringender Appell

Die Laieninitiative appelliert an die österreichischen Bischöfe, im Bereich ihrer Kompetenz selbständig Reformschritte zu setzen und bei der Leitung der Weltkirche in Rom auf Reformen zu drängen, um dem immer drückender werdenden Mangel an geeigneten Priestern und dem damit eintretenden Seelsorgenotstand zu begegnen. Sie hält zu diesem Zweck insbesondere folgende Schritte für notwendig:

  1. Die wegen einer Eheschließung aus dem Amt entfernten Priester möglichst bald zu reaktivieren
  2. den Pflichtzölibat der Priester abzuschaffen,
  3. die Weihe von Frauen zu Diakoninnen zu ermöglichen sowie
  4. vorzusehen, dass die Bischöfe geeignete Personen („viri probati“ – besonders Diakone, aber auch andere) durch Weihe und Beauftragung zur Durchführung sakramentaler Handlungen (Leitung der Eucharistiefeier, Spenden der Krankensalbung usw.) ermächtigen.

Was die österreichische Kirche betrifft, werden die Bischöfe ersucht, durch geeignete Anordnungen die Leitung der Pfarren im Sinne einer stärkeren Beteiligung engagierter Laien beiderlei Geschlechts zu reorganisieren. Es sollen ferner Modelle der Erprobung der unter 4.) genannten Maßnahmen praktiziert werden.

Weitere Schritte

Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass die Kirchenleitung Reformwünsche selbst dann, wenn sie – auch theologisch – wohlbegründet sind und von einer breiten Schicht der Gläubi­gen vertreten werden, ignoriert oder ablehnt. Sollte dies auch in Bezug auf den hier vorgetragenen Appell geschehen, will sich die Laieninitiative damit nicht abfinden.

Sie wird vielmehr dann die gravierenden  Probleme der geltenden und nicht mehr zeitgemäßen Kirchenverfassung zum Gegenstand ihrer weiteren, energischen und auch international auszuweitenden Aktivitäten machen. Als mündige Glieder des Gottesvolkes sind wir davon überzeugt, dass wir notfalls auch selbst entscheidende Beiträge zum Fortschritt herbeiführen können.

Die Laieninitiative überlegt ferner, die Frage aufzuwerfen, ob es moralisch und rechtlich zulässig ist, trotz einer erheblich reduzierten Seelsorge den Kirchenbeitrag unverändert einzuheben.

Erläuterung

Die Laieninitiative

Die Absicht dieser Gruppe wurde im Sommer des Jahres 2008 zunächst durch persönliche Kontakte sowie die Homepage www.laieninitiative.at bekannt gemacht und mit einer Pressekonferenz am 20. Jänner 2009 einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Dabei wurde die Absicht bekannt gegeben, dieses Memorandum den österreichischen Bischöfen zu überreichen. Die Laieninitiative wird nun von mehr als 11.000 Personen unterstützt.

Verschleppte Diskussionen

Die Laieninitiative beruft sich auf jene sehr umfangreiche öffentliche Diskussion, die schon lange stattfindet – insbesondere in den nachkonziliaren Diözesansynoden und seit dem mit den Bischöfen vor nunmehr zehn Jahren geführten „Dialog für Österreich“. In deren Verlauf haben zahlreiche prominente Geistliche und Theologen dargelegt, dass jene Anliegen, welche die Laieninitiative vertritt, unter Wahrung der Identität und Integrität der Kirche verwirklicht werden können. Sie befinden sich in Übereinstimmung mit der Botschaft des Evangeliums und damit dem Willen Jesu, dem Haupt der Kirche.

Die Krise

Seit vielen Jahren ist bekannt, dass die Krise der Kirche mit einem drastisch zunehmenden Mangel an geistlichen Berufen einhergeht. In weiten Teilen Europas wird versucht, dem dadurch abzuhelfen, dass bisherige Pfarren, die über einen eigenen Priester verfügten, zu größeren Seelsorgeräumen zusammengelegt werden. Auch setzt man verstärkt auf die Berufung von ausländischen Priestern.

Dass dies keine Lösung der entstandenen Probleme darstellt, liegt auf der Hand. Der Glaube kann nicht allein dadurch lebendig gehalten werden, dass die Menschen an Sonn- und Feiertagen irgendwo hin fahren, wo eine Messe von einem Priester „gelesen“ wird, der ihnen nicht als Seelsorger vertraut ist. „Importierte“ Geistliche tun sich oft schwer in unserem Glaubensmilieu und würden auch in ihrer Heimat zunehmend gebraucht.

Die Reform

Zunächst müsste dafür gesorgt werden, dass Pfarren auch dort, wo kein Priester regelmäßig wirkt, ein aktives und attraktives religiöses Leben entfalten können. Vielfach geschieht dies heute schon durch eine intensive Mitwirkung von engagierten Laien beiderlei Geschlechts. Es wirkt aber eine starre Grenze durch die bestehende und strikte Trennung des Gottesvolkes in Geweihte und gewöhnliche Christen und Christinnen. Nur Angehörige des Priesterstandes dürfen der Eucharistie vorstehen oder die Krankensalbung spenden. Wenn Laien taufen oder Begräbnisse veranstalten, werden sie mehr als „Notnagel“ geduldet, als in ihrem oft äußerst wertvollen und geschätzten Bemühen gefördert.

Professor Joseph Ratzinger hat das Problem schon vor vielen Jahren deutlich erkannt und vorausgesagt, dass die Kirche des 3. Jahrtausends neue Formen des Amtes kennen und bewährte Christen, die im Beruf stehen, zu Priestern weihen werde. Die Aufgabe der Seelsorge würde auf diese Weise in vielen kleineren Bereichen und sozialen Strukturen erfüllt werden (Glaube und Zukunft, München 1970, S. 123).  Der Einsatz von so genannten „viri probati“ liegt also nahe und wird von sehr vielen Theologen und Geistlichen heute befürwortet, nachdem Ratzinger zum Oberhaupt der Kirche berufen wurde und seine Vorausschau verwirklichen könnte.

Viele Mitglieder der Laieninitiative treten für die Weihe von Frauen zum Priesteramt ein. Um jedoch die jahrelangen theologischen Diskussionen darüber nicht zum Vorwand weiterer Untätigkeit werden zu lassen, beschränkt sich die Laieninitiative zunächst auf die oben genannten Sofortmaßnahmen, deren weitere Verzögerung nicht hingenommen werden kann.

Zeugnis der Bibel

Die Berufung einer neuen Kategorie von Seelsorgern entspräche jenem Kirchenbild, das der Apostel Paulus auf visionäre Weise und auch in der Praxis gezeichnet hat, als er von den Charismen aller Glieder des Gottesvolkes sprach. Es gilt das auch für den Einsatz von Frauen, den er förderte, wobei er unter anderem auch eine solche, nämlich Junia, als Apostelin bezeichnete. Es gab in der jungen Kirche über Jahrhunderte Diakoninnen. Sie würden heute sehr gebraucht und viele bewährte Frauen würden verdienen, dass ihr Einsatz durch Weihe aufgewertet wird.

Zeugnis der Tradition

Der Herr hob den Ehemann Petrus unter seinen Jüngern besonders hervor.Bei dem vom Kaiserreich geförderten Entstehen der kirchlichen Ämter war es für die Kirche selbstverständlich, verheiratete Männer in alle Aufgaben zu berufen. Wenn heute Priester verpflichtet werden, ehelos zu leben, verordnet man einer Vielzahl von Menschen eine Lebensform, die – wie auch Jesus lehrte – eine besondere Berufung darstellt, welche zu schätzen ist, aber nicht aufzuzwingen. Dass dies dennoch geschieht, ist ein wesentlicher – wenn auch nicht der einzige – Grund für den Mangel an priesterlichem Nachwuchs.

Der Papst schreibt im Kirchenrecht insofern nur einem Teil seiner Kirche den Zölibat vor, als die Priester der unierten Ostkirche davon ausgenommen sind. Er bestätigt damit, dass der Ehestand katholischer Priester möglich ist. Es gibt heute keinen Grund mehr, dies nicht generell so zu regeln, zumal der verpflichtende Zölibat immer mehr zum Ärgernis wird. Er wird oft heimlich nicht eingehalten und verhindert Berufungen oder lässt sie verloren gehen, wenn sich ein Priester zur jener ehelichen Liebe bekennt, die mit Recht von der Kirche höchst geschätzt wird.

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