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Kirchenbeitragsboykott
Hinzugefügt am 29. März 2010
Der Vorstandsbeschluss zum Thema Kirchenbeitragsboykott…
Liebe Aktive Unterstützerinnen und Unterstützer!
Immer wieder erhalten wir Zuschriften, die empfehlen, durch Verweigerung des Kirchenbeitrags auch einen finanziellen Druck auszuüben – nur das könnte ein wirksames Mittel unserer Auseinandersetzung sein! Wir haben diese Frage auch im Vorstand schon mehrmals gründlich beraten und ich will heute unsere gegenwärtige Sicht der Dinge darlegen. Haben Sie bitte dafür Verständnis, dass dies nicht nur kurz erfolgen kann.
So sehr solche Vorschläge verständlich sind, gibt es eine Reihe gewichtiger Gründe, die davon abraten lassen. Unsere Linie war von Anfang an, nicht gleichsam „feindselig“ gegenüber der Hierarchie aufzutreten und stets Anliegen „verträglicher“ Art vorzubringen. Wir wollen ernst genommen werden! So haben wir uns mit dem Memorandum, das am Beginn stand, wohlbedacht auf theologisch begründbare Forderungen beschränkt. Jetzt, wo wir immer kraftvoller drängen müssen, rufen wir zu sichtbarem und breitem, aber „loyalem“ Widerstand auf.
Stets betonen wir ja, dass wir uns nicht gegen unsere Kirche wenden, sondern ihr durch energisches Betreiben überfälliger Reformen weiterhelfen wollen. Sollte nun aber ein wirklich wirksamer Entzug von finanziellen Mitteln erfolgen, würde dies auch die Erfüllung solcher Aufgaben behindern, die nützlich und segensreich sind – von der sehr aufwändigen Erhaltung sakraler Gebäude bis zur Caritas. Das kann doch wirklich nicht Ziel der Laieninitiative sein! Wie würden wir uns auch gegen den Vorwurf wehren, eine Art von Erpressung zu begehen?
Wir müssen weiters bedenken, dass man mit solchen Maßnahmen leicht „die Falschen treffen“ kann. Vertreter der kirchlich Angestellten haben uns ihre diesbezügliche Sorge mitgeteilt und wir haben ihnen zugesagt, nichts ohne ihre Beiziehung zu unternehmen. Viele von ihnen stehen ja auf unserer Seite, auch nicht wenige Geistliche!
Es sind auch große Zweifel angebracht, ob finanzielle Sanktionen eine stur auf ihrem reformfeindlichen Standpunkt stehende Leitung der Weltkirche zum Umdenken bewegen könnten. Hier hat man offenbar keine Geldprobleme, obwohl es als Folge der massenhaften Austritte für deutsche Diözesen bereits eng wird und in Holland Kirchen für andere Zwecke veräußert werden müssen. Immer wieder entsteht der Verdacht, im Vatikan nimmt man ein „Gesundschrumpfen“ in einer bösen Welt hin, falls Beten nichts hilft …
Ein weiters gewichtiges Argument ist, dass die allermeisten Kirchenmitglieder einen Appell zum Beitragsboykott einfach nicht folgen würden und das brächte mehr Schaden als Nutzen für unsere Bewegung und ihr Ansehen! Viele denken sich wohl das, was bisher ausgeführt wurde und würden uns da allein lassen, obwohl sie uns sonst zu unterstützen bereit sind. Die Plattform wir sind Kirche hat ein Treuhand-Konto „Esperanza“ eingerichtet, doch dürfte dies leider nicht von einem Erfolg begleitet sein, welcher der Kirchenleitung wirklich „weh tut“.
Nun ist aber unbedingt hinzuzufügen, dass die Frage der Finanzierung unserer Kirche sehr wohl auf unserer Agendaliste steht. Wir wollen aber da mehr in die Tiefe gehen und das geltende Beitragssystem, das aus einer belasteten Vergangenheit stammt, grundsätzlich und wohlüberlegt zur Diskussion stellen, ebenso die Tauglichkeit des Konkordats für unsere Zeit.
Es wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, welche darüber nachdenkt. In Italien gibt es bekanntlich eine Kultursteuer, wo der Einzelne entscheiden kann, ob seine Abgabe für die Kirche oder andere Zwecke verwendet wird. Um solche Änderungen zu bewirken, müssten wir uns auch um ein Mitgehen der Politik bemühen, was aber keineswegs ganz aussichtslos erscheint.
Ich hoffe, dass es mir damit gelungen ist, bei den Befürwortern eines Beitragsstreiks Verständnis für diese unsere derzeitige Haltung zu erwecken. Hier gilt jedenfalls ebenso wie überall: Wir sind dankbar, Ihre Meinung und Ihre Argumente zu erfahren!
Mit herzlichen Grüßen
Ihr / Euer Obmann Herbert Kohlmaier