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Das Menschen- und Weltbild des Papstes bewirkt die Probleme der Kirche
Hinzugefügt am 10. Mai 2010
Auf das „Priesterjahr“, das demnächst feierlich abgeschlossen werden soll, fiel der Schatten zahlreicher tragischer und bekannt gewordener Fälle von Machtmissbrauch. Die Sorgen sind dramatisch gewachsen und deren Ursachen zu bedenken. Zur Erinnerung: Benedikt XVI. hat bei der Ausrufung Johannes Maria Vianney, den Heiligen Pfarrer von Ars (französisches Dorf des 19. Jh.), als Vorbild aller Seelsorger gepriesen. Die Laieninitiative…
Auf das „Priesterjahr", das demnächst feierlich abgeschlossen werden soll, fiel der Schatten zahlreicher tragischer und bekannt gewordener Fälle von Machtmissbrauch. Die Sorgen sind dramatisch gewachsen und deren Ursachen zu bedenken. Zur Erinnerung: Benedikt XVI. hat bei der Ausrufung Johannes Maria Vianney, den Heiligen Pfarrer von Ars (französisches Dorf des 19. Jh.), als Vorbild aller Seelsorger gepriesen. Die Laieninitiative hat sogleich auf schwere theologische Bedenken hingewiesen, die sich dagegen erheben. Nennt hier doch der Papst Keuschheit als notwendige Voraussetzung dafür, die Eucharistie ständig zu berühren (die von Jesus geheiligte Ehe macht also kultisch unrein!) und zitiert Vianney mit der letztlich blasphemischen Aussage, Gott gehorche dem Priester und schließe sich auf dessen Wort in die Hostie ein!
Der Dogmatiker em. Univ. Prof. Dr. Gottfried Bachl hat nun in den „Salzburger Briefen" (21/2010, Katholischer Akademikerverband) die Spiritualität Vianneys höchst kritisch analysiert und als „von exzessiver Angst" geprägt dargestellt. Er zitiert ihn mit den Worten: "Man tut viel mehr für Gott, wenn man die Dinge ohne Lust und Freude macht - Ein guter Christ soll sich auf dieser Welt nicht wohlfühlen - Die Schmerzen, die Leiden, das Gebrechen sind das Glück der vollkommenen Seelen". Dem sei gegenübergestellt, was Kardinal Schönborn jüngst als moraltheologischen Paradigmenwechsel bezeichnet: „ ... weg von einer bloß kantianisch grundierten ‚Pflichtmoral' hin zu einer ‚Moral des Glücks" (Kathpress v. 29. 4.).
Die Frohbotschaft wird verdunkelt
Hat die Kirche ihre großen Probleme, weil der Papst so „konservativ" ist? Es scheint in Wahrheit um viel mehr zu gehen. Identifiziert sich doch ihr Oberhaupt ganz mit einer historischen Figur, deren Vorstellungen kaum zu qualifizieren sind und sogar als psychopathisch angesehen werden könnten. Die offenkundigen Schwachstellen in der Persönlichkeit des als Vorbild hingestellten Heiligen kann Benedikt nicht - wie in anderem Zusammenhang als Rechtfertigung ins Treffen geführt - übersehen haben, da er als hervorragender Theologe gilt. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass sich der Papst diesen Ungeist bewusst zu eigen macht.
Josef Ratzinger hat in den fünf Jahren seit seiner Wahl immer wieder Handlungen gesetzt und Aussagen getätigt, die Unverständnis und Bestürzung auslösten. Oft wird dies darauf zurückgeführt, dass er die Kurie nicht im Griff habe und als Gelehrter mit dem Leitungsamt überfordert sei. Als eigentliche Ursache seiner Fehler ist allerdings eine zumindest problematische Vorstellung von Kirche und Priesterdienst anzunehmen, aber auch ein Menschen- und Weltbild, das die Frohbotschaft verdunkelt.
So ist verständlich, dass immer mehr nach eine raschen Beendigung dieses Pontifikats gerufen wird. Selbst wenn dies gelingt, ist der Flurschaden, den Benedikt hinterlässt, groß und nur schwer zu beseitigen. Verleiht doch die längst überholte Kirchenverfassung (Can. 331) dem Papst eine „volle und höchste, unmittelbare und universale Gewalt", welche immer mehr kultiviert wird und die ganze Kirche gleichsam infiziert. Alle, die in ihr eine Aufgabe zu erfüllen haben und das gesamte Gottesvolk müssen sich nun ihrer großen Verantwortung bewusst sein. Angesichts der eingetretenen Situation nicht zu handeln, wäre bei allem Respekt gegenüber Ordnung und Autorität der Kirche vor deren wahrem Haupt nicht zu rechtfertigen.